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Fortress

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Pipedream / Majesco / THQ
Genre: Denkspiel
System: Game Boy Advance, PAL-Version
Besonderheiten: pfiffige Tetris-Variante; englische Spieletexte; kein Speicherfeature
USK (ESRB): Geeignet ohne Altersbeschr.
Spieler: 1 - 2 (zwei Module)
Testmuster von: THQ

Als ein etwas anderes Tetris präsentiert sich "Fortress", in dem ihr nach dem bekannten Spielprinzip nicht einfach nur horizontale Reihen zusammenbauen sollt, sondern gleich eine ganze Burg. Um das Ganze noch interessanter zu machen, seit ihr nicht nur fleißiger Bauherr sondern dürft euch zusätzlich mit einem Konkurrenten auseinander setzen, der ebenfalls emsig Stein auf Stein aufeinander schichtet.

Zu Beginn seht ihr euren zweidimensionalen Bauplatz links und rechts begrenzt durch zwei kleine Fähnchen. Eure erste Handlung besteht darin ein großes Eingangstor innerhalb dieser Grenzen zu platzieren. Erst dann fallen wie im Denkspielklassiker aus drei oder vier kleinen Quadraten zusammengesetzte Spielsteine vom Himmel, die strategisch günstig innerhalb der Grenzflaggen abgelegt werden wollen.

Mauern in Tetris-Bauweise
Habt ihr sie so abgelegt, dass mindestens Blöcke von drei mal zwei kleinen Quadraten entstehen, werden diese in solides Mauerwerk umgewandelt und bringen euch Punkte. Eure Burg nimmt auf diesem Wege langsam aber sicher Gestalt an. Doch leider hat euer böser Nachbar dagegen etwas einzuwenden, da er selbst ein kleines Schlösslein plant und neidisch auf eure Baustelle schielt.

Nach einer friedlichen Anfangszeit, deren Länge vom gewählten Schwierigkeitsgrad abhängt, sprechen die Waffen. Habt ihr durch fleißiges Mauern eine bestimmte Anzahl an Punkten eingestrichen, erscheint ein quadratischer Kampfblock (zwei mal zwei Quadrate groß). Baut ihr diesen sicher in eure Burgfestung ein, indem ihr ihn auf einer planen Oberfläche ablegt, dürft ihr euch über eine automatisch feuernde Artillerie oder eine Twerps-Baracke freuen. Twerps sind kleine possierliche Wesen, die sich der Pflege eurer Behausung verschrieben haben.

Fleißige Heinzelmännchen
Denn auch euer Kontrahent verfügt über Artillerie, die eure Burg ständig beharkt und das Mauerwerk an einigen Stellen zerstört. Dumme Sache, denn auf dem dabei zurückbleibenden brüchigen Gemäuer findet kein Spielstein mehr Platz um die Burg zu erweitern. Schlimmer noch - legt ihr einen Stein auf brüchigem Mauerwerk ab, zerbröselt er. Erst die fleißigen Twerps geschwind aus ihren Baracken gestürmt sorgen mit schnellen Reparaturen wieder für eine solide stapelfähige Unterlage.

Die Krönung einer Burg ist die Errichtung eines Turmes. Wenn ihr es schafft, eine drei Quadrate breite Mauer neun Quadrate in die Höhe zu bauen entsteht ein Zauberturm. In diesem zieht sofort ein Twerp-Zauberer ein, der eine mächtige Kreatur herbeiruft. Schön für euch, schlecht für euren Gegner. Dieses Monsterchen hat nämlich nichts besseres zu tun, als zu eurem Nebenbuhler zu fliegen und dessen Burg von prächtigem Schloss zu mittelalterliche Burgruine umzudekorieren. Doch Vorsicht: Was euch lieb ist, ist eurem Gegenüber billig. Er baut solche Türme nämlich auch ganz gerne.

Die Punkte sind das Ziel
Abgerechnet wird bekanntlich am Schluss. Dieser ist in "Fortress" erreicht, wenn einer der beiden Kontrahenten eine vom Schwierigkeitsgrad und gewählten Modus abhängige Punktzahl geknackt hat. Eine Partie dauert dabei meist um die 10 bis 15 Minuten. Während sich im "Easy" Schwierigkeitsgrad schnell erste Erfolgserlebnisse einstellen ist der Computergegner bereits auf Stufe "Medium" eine große Herausforderung (ich persönlich habe über ein Dutzend Anläufe gebraucht, bis ich ihn zum ersten Male niedergerungen hatte; in "Hard" ist es mir bisher noch nie gelungen). Nur wenn ihr in der Lage seit, Boni einzustreichen, klappts auch mit dem Siegen.

Die erzielten Punkte werden mit dem Faktor zwei bis vier multipliziert, wenn ihr mit mehreren herunterpurzelnden Tetris-Steinen nacheinander festes Mauerwerk errichten konntet. Darüber hinaus gibt es bei Erreichen des Vierfach-Multiplikators noch einen Bonus in Form von verbesserter Widerstandsfähigkeit eurer Burgmauern oder größerer Durchschlagskraft eurer Artillerie. Allerdings ist es nicht ganz so leicht, diesen Bonus zu erhalten, weil neben vorausschauendem Platzieren der Steine auch ein wenig Glück erforderlich ist. Gerade für Anfänger ein harter Brocken.

Nur vier Level
Insgesamt vier Level haben Platz auf dem Game Boy Advance Modul gefunden. Die Änderungen von Level zu Level sind aber rein kosmetischer Natur, da lediglich andere Grafiksets den Unterschied ausmachen. In vier Epochen dürft ihr euch messen. Begegnen euch im Prähistorischen Level zum Beispiel Steinschleuder und Flugsaurier heizen euch in der fernen Zukunft im Weltraum Radarschüsseln und fliegende Untertassen ein. Während die drei ersten Epochen dank heller Farben gut spielbar sind, ist es im Weltraum entschieden zu dunkel, so dass manche Zwischenräume nur schwer auszumachen sind (dunkle Wände im schwarzen Weltraum kommen nun mal nicht so gut).

Aus drei Spielmodi dürfen angehende Burgenbauer wählen. Während ihr im Kampf- und Blitz-Modus wahlweise in einer der vier Epochen gegen den Computergegner antretet, müsst ihr im Turnier alle vier nacheinander siegreich absolvieren. In der Blitz-Variante geht es am hektischsten zu, da ihr hier schon für halb so viele Punkte wie im Kampf-Modus Kampfblöcke erhaltet. Dafür gibt es hier aber auch keinen Waffen-Bonus. Ihr dürft auch via Link-Kabel gegen einen menschlichen Mitspieler antreten. Allerdings benötigen beide ein "Fortress" Modul.

Steuerung in Tetris-Manier
Die Steuerung orientiert sich am altbewährten Tetris. Drehen der Steine oder schnelleres Herunterfallen ist möglich und natürlich auch nötig für den geschickten Maurer. Nur wer schnell baut, hat auch eine Siegeschance. Ist der Bau schon weiter fortgeschritten, macht euch die gähnend langsame Bewegung der Spielsteine nach rechts und links zu schaffen. Außerdem geht im weiteren Spielverlauf die Übersichtlichkeit flöten, da ihr recht nah am Geschehen seit und eure angewachsene Burg so nie ganz im Blick habt. Optisch wird durchschnittliche GBA-Kost geboten. Granaten fliegen durch die Gegend während die wuseligen Twerps fleißig am Ausbessern sind.

Akustisch ist dagegen eine Menge los. Ihr hört die Artillerie feuern, Mauerwerk zerbröseln, die Twerps herum quieken und falls ein Zauberturm vorhanden ist, das vom Zauberer beschworene Untier oder Ufo lautstark zum Angriff übergehen. Eine Speicherfunktion gibt es nicht. Bei einem Einzelspiel kein Beinbruch. Anders bei einem Turnier. Das müsst ihr immer komplett in einem Rutsch durchspielen, wollt ihr die Credits sehen. Eine Highscore oder Bestzeitenliste sucht ihr ebenfalls vergebens.

fazit

Majesco liefert mit "Fortress" eine pfiffige auf Tetris basierende Spielidee ab. Der Einstieg ist zwar nicht ganz einfach (nicht zuletzt wegen einer unübersichtlichen und nicht alle Aspekte des Spieles erschöpfend behandelnden Anleitung), trotzdem macht das Spiel gerade zu Anfang eine Menge Spaß. Bis ihr siegfähige Strategien beim Aufbau eurer Burg in "Medium" und "Hard" ausgetüftelt habt, dauert es allerdings ein Weilchen. Später fallen euch aber mehr und mehr die negativen Seiten von "Fortress" auf. Etwas hakelige Steuerung, mangelnde Übersicht, nur magere vier Level und drei Spielmodi sowie das Fehlen einer speicherbaren Bestenliste drücken auf den Langzeitspielspaß. Außerdem macht Anfängern und Otto-Normal-Spielern der geharnischte Schwierigkeitsgrad ab "Medium" das "Fortress" Leben schwer. Als kleiner Pausenfüller ist diese originelle Tetris-Variante aber allemal gut geeignet. Vor allem, wenn ihr einen Freund oder eine Freundin zu einer Partie an der Hand habt (sag).


grafik: 6.0 | sound: 6.5 | gameplay: 6.0 | gesamt: 6.5
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