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Wave Race Blue Storm

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Nintendo
Genre: Rennspiel
System: GameCube, PAL-Version
Besonderheiten: benötigt Memory Card (12 Blöcke); keine 60 Hz Modus
USK (ESRB): keine Altersbeschränkung
Spieler: 1 - 4
Testmuster von: eigene Anschaffung

Über fünf Jahre ist es nun her, dass mit "Wave Race" auf dem Nintendo 64 ein Spiel das Licht der Welt erblickte, welches durch tolle Spielbarkeit in Verbindung mit einem in diesem Realismus in einem Videospiel noch nie gesehener Simulation des Wellenganges zum Klassiker avancierte. Kein Wunder, dass sich immens hohe Erwartungen an einen Nachfolger des Jet Ski Rasers knüpfen. Ob das Sequel "Wave Race Blue Storm" für den GameCube diese erfüllen kann?

Ein kleiner Dämpfer gleich zu Beginn: Entgegen Nintendos üblicher Praxis, hierzulande veröffentlichte Titel komplett einzudeutschen, müsst ihr in "Wave Race Blue Storm" mit englischen Texten und Sprachausgabe vorlieb nehmen. Allerdings bringt das in diesem Genre nur unwesentliche "Beinträchtigungen" mit sich, wenn ihr kein Englisch beherrscht. Denn die recht ausführliche Anleitung ist selbstverständlich in deutscher Sprache.

Schnell fahren oder doch lieber tricksen?
Grundsätzlich erwarten euch in "Wave Race Blue Storm" zwei verschiedene Herausforderungen. Entweder geht es um Zeit und Plätze in hartumkämpften Wettbewerben oder im "Time Trial". Dagegen versucht ihr euch im Stunt Modus als Jet Ski Artist, in dem ihr durch möglichst spektakuläre Stunts Punkte scheffelt. Eine gute Beherrschung des Sportgerätes ist in jedem Modus Voraussetzung für den Erfolg. Wer null Bock auf das Lesen der Anleitung hat, darf sich grundsätzliche Steuerungsfinessen sowie die vielfältigen Stunts in einem ausführlichen Tutorial (mit englischer Sprachausgabe) erläutern lassen.

Erste Gehversuche macht ihr dabei im aus dem Vorgänger wohl bekannten Dolphin Park. Schon hier zeigt sich, dass der Umgang mit den Jet Skis dank des Wellenganges nicht ganz so einfach ist. Schon kleinere Wellen können den Neuling etwas aus der Bahn werfen. Dickere Brecher bei Sturm und Regen fordern auch dem Profi einiges an Steuerkünsten ab, da zusätzlich spritzende Gischt als auch Regentropfen auf die virtuellen Kameralinse hinter eurem Fahrer prasseln und die Sicht einschränken - ein verblüffender Effekt. Nach einem kurzen Lernprozess freuen sich aber auch Anfänger über erste Erfolgserlebnisse.

Vier Cups in der Championship
Zum Freispielen aller Strecken und anderer kleinerer Goodies, wie unterschiedlicher Wetterbedingungen im Time Trial, widmet euch einer Championship. Vier Wettbewerbe gegen sieben Computergegner gilt es zu bestehen. Während euch der erste Cup lediglich mit einem Rennen konfrontiert müsst ihr in den drei anderen an fünf bis maximal sieben nacheinander teilnehmen (Abspeichern zwischen den Rennen ist nicht möglich). Wie üblich wird nach jedem Rennen abhängig von der erreichten Platzierung Punkte vergeben. Wer zum Schluss mit seiner Gesamtpunktzahl auf dem Treppchen steht oder gar den Gesamtsieg erringt, freut sich über das Erreichen des nächsten schwierigeren Wettbewerbs.

Das ist aber nicht ganz so einfach. Schließlich heizt ihr nicht völlig frei durch die Gegend, sondern müsst auf den Kursen platzierte gelbe und rote Bojen korrekt passieren. An einer gelben solltet ihr immer links vorbei fahren, an einer roten stets rechts. Was im ersten Cup dank flüssig gesteckter Bojen noch einfach von der Hand geht, ist in "Hard" und "Expert" dank fies aufgestellter Schwimmer ein harter Job. Für jede korrekt hinter euch gelassene Boje erhöht sich als Belohnung sukzessive euer Top Speed in vier Schritten bis zum Maximum. Voll aufgepowert gibt es zudem noch einen Turbo obendrauf.

Rote und gelbe Bojen
Setzt ihr den Turbo ein, fällt euer Jet Ski im Top Speed wieder auf das Minimum zu Anfang eines Rennens zurück. Gleiches passiert, wenn ihr eine rote oder gelbe Boje falsch passiert. Dieses Malheur solltet ihr euch nur maximal viermal erlauben. Nach dem fünften Fehlverhalten werdet ihr disqualifiziert. Trotzdem ist es durchaus sinnvoll, die ein oder andere Boje auszulassen, wenn sich dadurch abkürzen läßt. Experimentiert am besten im "Time Trial" wo und wann es sich lohnt.

Insgesamt erwarten euch lediglich acht verschiedene Strecken (Dolphin Park mitgerechnet), wovon die meisten Besitzer des Nintendo 64 Vorgängers bekannt vorkommen sollten. So feiert ihr zum Beispiel ein Wiedersehen mit Southern Island, bei dem nach jeder von insgesamt drei Runden der Wasserpegel fällt, so dass ihr durch das Auftauchen von sonst unter Wasser liegenden Felsen eine andere Linie fahren müsst. Auch auf anderen Kursen machen euch Hindernisse das Leben schwer wie ins Wasser plumpsende Container, diverse Schiffe oder riesige Eisstücke, die von einem Eisberg abbröckeln.

Auf den Fahrer kommt es an
Viel hängt dazu von der Wahl des Jet Ski Fahrers ab. Jeder der acht Recken hat seine individuellen Stärken und Schwächen unter anderem in den Kategorien Beschleunigung, Top-Speed oder Manövrierbarkeit. Darüber hinaus spielt die Kraft und Statur eures virtuellen Alter Egos eine Rolle. Der kräftige Mariner zum Beispiel ist durch Rempler oder hohe Wellen nicht so leicht aus dem Konzept zu bringen wie die zierliche aber flinkere Akari Hayami. Neben der Farbe des Outfits dürft ihr zusätzlich noch am Verhältnis Beschleunigung / Top Speed herumschrauben (mehr Top-Speed bedeutet schlechtere Beschleunigung und umgekehrt) sowie an der Empfindlichkeit der Steuerung.

Fast alle Strecken halten die ein oder andere Abkürzung bereit, die in den beiden höheren Schwierigkeitsgraden nicht selten über Sieg und Niederlage entscheidet. Wollt ihr in aller Ruhe auf die Suche gehen, widmet euch dem "Free Roam" Modus. Ohne Bojen oder nervende Gegner erkundet ihr hier die Kurse. Probiert fleißig alle Rampen aus um vielleicht Hindernisse zu überspringen oder unter ihnen hinweg zu tauchen. Manche Hindernisse können mit ein wenig Anlauf auch zerdeppert werden, so dass nützliche Durchgänge entstehen.

Spektakuläre Stunts
Auf ganz andere Qualitäten kommt es im Stunt Mode an. Hier ist vor allen Dingen Fingerfertigkeit gefragt, da es vielfältige Button und Joypadkombinationen zu meistern gilt um spektakuläre Tricks aufs nasse Parkett zu zaubern. In drei Schwierigkeitsgraden dürft ihr eure Fähigkeiten unter Beweis stellen. Kleine Turneinlagen auf eurem Sportgerät bringen genau so Punkte wie spektakuläre Salti und Schrauben über diverse auf den Strecken aufgestellte Rampen. Dazu spielt auch der Faktor Zeit eine Rolle.

Ihr habt nur eine bestimmte Zeitspanne um von einem Checkpoint zum nächsten zu fahren. Unterbietet ihr die vorgegebene Maximalzeit, so gibt es Extrapunkte. Bojen findet ihr im Stunt Modus keine. Dafür tauchen aber riesige Ringe auf. Durchfahrt ihr diese, so klingelt es ebenfalls auf eurem Punktekonto. Streicht zusätzliche Boni ein, indem ihr so viele aufeinander folgende Ringe wie möglich korrekt passiert. Bei schlechtem Wetter und herausfordernd aufgestellten Ringen in den beiden höherem Schwierigkeitsgraden kein einfaches Unterfangen.

Spektakuläre Wellensimulation
Wie seinerzeit der Nintendo 64 Vorgänger beeindruckt "Wave Race Blue Storm" durch verblüffend echt wirkende Wasser- und Welleneffekte. Hohe Wellen schütteln eure Jet Skis durch (untermalt von handfesten Rüttlern eures Joypads), Gischt und Regentropfen klatschen scheinbar auf den Bildschirm. Auch an kleinere Schmankerl abseits der Strecke hat Nintendo gedacht, wie kleinere Gondeln auf dem an Venedig erinnernden La Razza Canal Kurs oder an eine kleine Pinguinkolonie im ewigen Eis von Arctic Bay.

Allerdings hätten die Texturen der Randbebauung ruhig etwas detaillierter ausfallen dürfen. So sehen zum Beispiel die Gebäude in La Razza Canal recht Trist aus. Dafür trübt aber auch im dicksten Fahrergetümmel kein Pop-Up oder gar Ruckler das Rennvergnügen. Im Multiplayermodus für bis zu vier Spieler wurde der Detailgrad zugunsten eines flüssigen Bildaufbaus etwas heruntergeschraubt. Trotzdem begleiten die Multiplayerduelle keine zusätzlichen Computergegner.

Auf der Soundseite gibt es keine Aussetzer zu beklagen. Es wird sogar einiges an englischer Sprachausgabe geboten. Neben den Erläuterungen des Tutorials erklärt zum Bleistift vor jedem Rennen eines Cups eine für jeden Fahrer andere Stimme (nämlich die des jeweiligen Trainers), welche Platzierung im Rennen erreicht werden muss um die erforderliche Mindestpunktzahl für das nächste vorweisen zu können. Immerhin 12 Blöcke einer Memory Card belegt "Wave Race Blue Storm". Darin finden drei Spielstände Platz, in denen getrennt die Fortschritte und Bestmarken in den einzelnden Spielmodi verwaltet werden.

fazit

Da Nintendo mit Sequels nicht so verschwenderisch umgeht, wie so manch anderer Hersteller, ist die Vorfreude auf Nachfolger bekannter Highlights besonders groß. Schön, dass die Erwartungen an den "Wave Race" Nachfolger "Blue Storm" auch zum größten Teil erfüllt werden. Packende und hartumkämpfte Duelle in den Cups der Championship, Bestzeitenjagd im Time Trial und die Herausforderung Stunt Modus bieten dank komplexer aber nicht komplizierter Steuerung, knackiger Computergegner, fordernder Kursgestaltung und dem phänomenal simulierten Wellengang blendende Unterhaltung. Einziger kleiner Wermutstropfen ist die spärliche Anzahl an Strecken und Cups in einer Championship, die Profis schon nach einem Wochenende erfolgreich hinter sich gebracht haben (sag).


grafik: 8.0 | sound: 7.0 | gameplay: 8.5 | gesamt: 8.5
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