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International Superstar Soccer 2

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Major A / Konami
Genre: Sportspiel
System: GameCube, PAL-Version
Besonderheiten: benötigt Memory Card (8- 24 Blöcke Minimum); deutscher Kommentar
USK (ESRB): ohne Altersbeschränkung
Spieler: 1 - 4
Testmuster von: eigene Anschaffung

Die Fußball WM ist gerade zu Ende gegangen und ihr wollt die Ereignisse in Japan und Südkorea gerne auf eurem GameCube nachspielen? Dann habt ihr die Qual der Wahl zwischen EA Sports "Fußball WM 2002", dem offiziellen Spiel zur WM, oder "International Superstar Soccer 2". Was für oder gegen Konamis Kick spricht erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Wenn ihr euch, wie meine Wenigkeit, als letztes Fußballspiel von Konami "ISS 2000" auf dem Nintendo 64 ausführlich gewidmet habt, fallen abgesehen von der viel detaillierteren Optik erst einmal einige Veränderungen ins Auge. So fehlen in "ISS 2" zum Beispiel die Spielmodi Szenario, Elfmeterschießen und Karriere, die für manch' unterhaltsame Stunde auf Nintendos 32-Bit Konsole gesorgt hatten. Dafür sind aber die meisten Mannschaften mit den Original-Spielernamen am Start. Nur einige wenige Teams (darunter Brasilien, Tschechien und die Schweiz) kommen mit Fantasienamen daher.

Abgespeckte Spielmodi
Erste Schritte zum Erlernen der Steuerung unternehmt ihr im Trainingsmodus. Wisst ihr wie es auf dem Rasen abgeht, stehen euch neben einem Weltmeisterschaftsturnier und dem obligatorischen Freundschaftsspiel eine selbst zusammengebastelte kleine Liga mit maximal acht Mannschaften, ein Europapokal und die Austragung einer Art Copa America offen. Da lediglich 58 Nationalteams auf der kleinen DVD schlummern, dürft ihr keine den tatsächlichen Begebenheiten entsprechenden Austragungsmodus erwarten. Vor allem die Qualifikationen weichen mit ihren Vierergrüppchen ohne Rückspiele stark von der Realität zum Beispiel einer EM oder WM ab.

Was Einflussmöglichkeiten auf Taktik und Aufstellung eurer Elf angeht, ist "ISS 2" mal wieder Champions-League verdächtig. Fast alles lässt sich variieren und euren Vorlieben anpassen. Da werden zum Beispiel Mittelfeldspieler nach vorne befohlen, gegnerische Stürmer in Manndeckung genommen oder auch während der Begegnung verschiedene taktische Marschrouten ausgegeben, wie alle Mann nach vorne, totale Offensive oder auf Konter lauern. Zudem steht euch noch ein mächtiger Editor zur Verfügung, mit dessen Hilfe ihr selbst erstellte Spieler einbaut oder die Eigenschaftswerte vorhandener Kicker ändert. Neben den 22 Akteuren einer Mannschaft liegen übrigens noch bis zu 11 weitere auf der Lauer, die ihr bei Bedarf via Editor in eure Elf integriert.

Originalnamen und Editor
Statistiken helfen euch, den richtigen Mann für die jeweilige Position zu finden. Neben allerlei Zahlenwerk in den verschiedensten Kategorien, wie Kopfball, Kondition, Sprinten oder ähnliches verfügen einige Kicker über Spezialfähigkeiten, wie besonders begabter Dribbler, Flankengott oder Strafraumwühler. Und muss wegen Verletzungen oder Sperren mal jemand auf einer Position spielen, die ihm nicht "angeboren" ist, hilft euch eine Tabelle weiter, die die Fähigkeiten des Akteurs auf anderen Positionen von "A" (super) bis "C" (vergesst es) bewertet.

"ISS 2000" Kenner müssen auf den Plätzen in Konamis aktueller Fußballsimulation umdenken. Weniger Action und mehr Simulation ist angesagt. Vor allem die Ballbehandlung orientiert sich mehr an der Realität. So könnt ihr zum Beispiel nicht aus jeder beliebigen Position sofort passen oder aufs Tor schießen. Zunächst einmal macht der Spieler immer seinen Schritt zu Ende, bevor er den Ball spielt. Dribblings sind zwar möglich, doch mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad immer seltener und meist nur mit entsprechenden Ballkünstlern erfolgreich.

Dribbeln schwer gemacht
Erschwerend kommt hinzu, dass es dabei keinerlei Spezialtricks gibt, wie zum Beispiel einen Übersteiger. Lediglich schnelle und plötzliche Richtungsänderungen weg vom Gegenspieler bleiben zum fummeln übrig. Ansonsten gibt es die von Konami gewohnten Joypadaktionen. Sprint, Blutgrätsche, Flanke, Heber, Sicherheitspass, der allerdings nicht immer ankommt, sowie der schwieriger zu spielende Risikopass in den freien Raum gehören zum Repertoire. Die Dosierung der Länge eines solchen Direktpasses übernimmt standardmäßig der Computer für euch. Ich empfehle euch aber dringend dies selbst in die Hand zu nehmen.

Pi mal Daumen ist das Motto bei Eckbällen oder Freistößen, da die Programmierer einen Richtungspfeil für eine bessere Orientierung wegrationalisiert haben. Dafür dosiert ihr die Härte eines Hebers oder einer Flanke durch längeres Drücken des jeweiligen Knopfes. Ein Schussbalken unterhalb des Spielernamens in der unteren Ecke des Bildschirmes hilft euch dabei. Betätigt ihr dagegen länger den Torschussknopf, fliegt der Ball nicht mit mehr Schmackes auf den gegnerischen Kasten, sondern höher. Kurzes antippen führt also zu einem Flachschuss, zu langes drücken und die Pocke fliegt meilenweit übers Gehäuse.

Ohne Orientierung bei Freistoß und Ecke
Beim Umschalten des vom Spieler gesteuerten Akteurs bietet euch "ISS 2" die Wahl aus drei verschiedenen Einstellungen. Überlasst es komplett dem Computer automatisch zu dem dem Ball am nächsten stehenden Kicker umzuschalten oder bestimmt es ohne CPU-Hilfe per Knopfdruck stets auf eigene Faust. Zusätzlich gibt es noch eine Zwischenstufe, bei der der Computer die Auswahl übernimmt, ihr aber jederzeit manuell eingreifen dürft.

Die KI sowohl der gegnerischen Teams als auch eurer Mannschaftskameraden spielt insgesamt auf hohem Niveau. Eure computergesteuerten Kontrahenten agieren vor allem im höchsten der drei Schwierigkeitsgrade aggressiv in der Verteidigung und zeigen in der Offensive planvolles vorgehen, wobei Abwehrfehler gnadenlos ausgenutzt werden. In der eigenen Elf werden taktische Marschrouten wie vorgegeben umgesetzt. Besonders flexibel reagieren eure Computermates aber nicht und lassen schon mal einen nahe herangekommen Ball links liegen um die Position zu halten. In der Defensive fordert ihr nicht von euch kontrollierte Spieler in Ballnähe per Knopfdruck auf, den ballführenden Gegner zu attackieren.

Ordentliche Computer-KI
Bei den Torhütern halten sich Stärken und Schwächen die Waage. Der eigene Keeper zeigt vor allem im höchsten Schwierigkeitsgrad im Vergleich zum Torwächter eures computergesteuerten Kontrahenten einige wenige Schwächen auf der Linie. Die Strafraumbeherrschung dagegen läßt in der Regel kaum Wünsche offen. Nur selten stürmt der Keeper unmotiviert aus dem Strafraum und wird oftmals leichte Beute für euren Stürmer. Den eigenen Torhüter dürft ihr manuell von der Torlinie locken sollte mal ein gegnerischer Angreifer durchgebrochen sein.

Was die technische Seite angeht, gibt es nur wenig Grund zur Klage. Flüssiger Bildaufbau mit lebensecht animierten Balltretern laden zum fröhlichen Kick ein. Bei der Präsentation kann Konami allerdings noch eine Menge von EA Sports lernen. Es gibt zum Beispiel nur einige wenige Jubelposen nach Treffern und auch der Einmarsch der Matadoren ist nicht gerade überwältigend in Szene gesetzt. Die Anzahl der Stadien ist mit vier mickrig ausgefallen, doch sind alle architektonisch sehenswert. Nur ein schwacher Trost.

Grafik und Sound gelungen
Die Kamera läßt sich in mehreren Schritten in Blickhöhe und Zoomstufe verstellen. Geht ihr näher ans Geschehen ran, sieht das schnieke aus. Mit dem negativen Effekt, dass die Übersicht flöten geht. Außerdem geht es bei Bedarf der doch recht behäbigen Spielgeschwindigkeit an den Kragen. Erst in der fünften und höchsten Stufe ist sie einigermaßen flott. Darunter erinnert das eher an einen Altherren-Kick als an athletischen Spitzenfußball.

Untermalt wird das Geschehen auf dem grünen Rasen durch akustisch ordentlich mitgehende Fans auf den Tribünen inklusive länderspezifischer Schlachtgesänge und einem deutschen Moderatorenduo. Mit Bernd Schuster gibt ein prominenter deutscher Ex-Nationalspieler seinen Senf zum Spiel und der Leistung der beiden Mannschaften. Allzu viele Sprüche solltet ihr aber nicht erwarten, die zudem nicht besonders originell oder witzig ausgefallen sind. Dafür kennen die beiden Moderatoren aber die realen Spieler mit Namen und sind meist auf der Höhe des Geschehens. Warum der Statdionsprecher immer in englischer Sprache Torschützen und den neuen Spielstand ansagt ist mir ein Rätsel.

Pfiffige Speicherfunktion
Überaus pfiffig hat Konami die Speicherfunktion gestaltet. Statt wie die Konkurrenz fast eine komplette Standard-Memory-Card mit einem einzigen Spielstand für alle Lebenslagen zu füllen, nimmt sich das Spiel für jede von euch wahrgenommen Option einen kleinen bis mittleren Happen von der Speicherkarte. Der größte Brocken mit 13 Blöcken genehmigt sich der Editor, wenn ihr Spieler und Teams dauerhaft umgestalten wollt. Greift ihr nur auf die auf DVD abgelegten Daten zurück, könnt ihr euch dies locker sparen.

Vier Blöcke für die Grundeinstellungen sind absolutes Minimum, wollt ihr nur mal ein Freundschaftsspiel bestreiten. Weitere vier kommen für jeden konkreten Wettbewerb den ihr abspeichern wollt hinzu. Spielt ihr zusätzlich mit dem Gedanken eigene Formationen für das Team eurer Wahl zu entwerfen, dann benötigt ihr noch einmal drei Blöcke freien Speicherplatz. Summa, summarum kommt der Schotte unter den "ISS 2" Spielern also mit acht Blöcken zur Not aus. Gebt ihr euch die volle Speicherdröhnung, müssen mindestens 24 Blöcke für den vollen Genuss herhalten.

fazit

Ehrlich gesagt bin ich etwas enttäuscht. Weniger vom eigentlichen simulationslastigen Geschehen auf dem virtuellen grünen Rasen, sondern von der mageren Anzahl an Spielmodi. Zwar hat "International Superstar Soccer 2" in diesem Punkt mehr als EA Sports "Fußball WM 2002" zu bieten, doch sollte sich Konami langsam mal etwas mehr einfallen lassen. Denn wenn EA hierzulande mit seinem "normalen" FIFA Ableger mit zig Ligen und Originalvereinsmannschaften antritt und dabei die Spielbarkeit nicht komplett versaut (was nicht anzunehmen ist), können die Japaner mit ihrem Kick in Punkto Langzeitmotivation einpacken.

Versteht mich nicht falsch. "ISS 2" ist eine sehr gute Simulation des Fußballsportes mit dem ihr spannende Begegnungen erleben werdet mit allem, was den Fußball so interessant macht. Packende Zweikämpfe, anspruchsvolles Mittelfeldgeplänkel und manch spektakuläre Torszene, die in den hervorragenden Replays toll zur Geltung kommen, unterhalten euch prächtig. Außerdem läßt euch kein anderes Fußballspiel so viel Einfluss auf euer Team nehmen, wie hier. Da auch die technische Umsetzung stimmt, macht ihr beim Kauf von "ISS 2" sicher nichts falsch (sag).


grafik: 7.5 | sound: 7.0 | gameplay: 8.0 | gesamt: 8.5
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