Konsolen.net > Tests > GameCube: Pikmin

tests

Pikmin

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Nintendo
Genre: Echtzeitstrategie
System: GameCube, PAL-Version
Besonderheiten: Produzent Shigeru Miyamoto, benötigt Mem.-Card (11 Blöcke), komplett deutsch
USK (ESRB): 3+ (ELSPA)
Spieler: 1
Testmuster von: eigene Anschaffung

Wie stellt ihr euch einen Helden in einem Spiel vor? Mindestens zwei Meter groß, muskelbepackt wie weiland Arnold Schwarzenegger in den Conan Filmen um auch mit den härtesten Bösewichtern leicht fertig zu werden? Das muss nicht sein. Dass nur vier Zentimeter Körpergröße ausreichen können zeigt Nintendo in seinem ungewöhnlichen Echtzeitstrategiespiel "Pikmin".

Captain Olimar hat eine Pechsträhne. Da düst er friedlich mit seinem Raumschiff durch die Weiten des Alls, als ihm ein Asteroid in die Quere kommt. Eine Notlandung auf einem fremden Planeten später sitzt der nur vier Zentimeter große Olimar mächtig in der Patsche: Seine Rakete ist schwer beschädigt, 30 wichtige Teile wurden in alle Winde verstreut. Ihm dämmert: Ohne Hilfe wird er sie wohl nicht finden und vom Planeten entkommen können. Wie heißt es so schön: Zuerst hatte er kein Glück. Dann kam auch noch Pech dazu. Die Atmospäre des Planeten ist für den Weltraumreisenden absolut ungesund. Die Vorräte an Atemluft reichen gerade noch für 30 Tage.

Gestrandet
Eine Entdeckung kommt dem Verzweifelten zu Hilfe. Eine Zwiebel auf drei dünnen Stelzenbeinen beherbergt ein kleines pflanzenähnliches Wesen, welches Olimar ohne Murren als Anführer fortan auf Schritt und Tritt folgt: Die putzigen kleinen Pikmins. Drei verschieden farbige Zwiebeln, die jeweils gleichfarbigen Pikmins als Wohnung und Brutstätte dienen, werden euch im Laufe eurer Suche begegnen. Jede Farbe steht dabei für bestimmte Spezialfähigkeiten. Rote Pikmins widerstehen Feuer, gelbe lassen sich höher werfen und schnappen sich kleine Felsbrocken, die sie als Bombe vortrefflich einzusetzen pflegen. Blaue schließlich ertrinken nicht im Wasser, wie ihre andersfarbigen Zeitgenossen.

Doch wie kommt Olimar an Pikmin-Nachschub? Ein paar Experimente später zeigt sich, dass nach dem Zerdeppern von Blüten oder Besiegen von zum Teil riesigen insektenähnlichen Gegnern farbige Pillen zurück bleiben, auf denen ein Zahl prangt. Eure kleinen Bundesgenossen schleppen diese gern zu einer der Zwiebeln zurück, die daraufhin kleine Sprösslinge ausspuckt, die nach wenigen Augenblicken in der Erde wie kleine Karotten gepflückt werden können. Siehe da: Ein neuer Pikmin hat das Licht der Welt erblickt. Je höher die Zahl auf der Pille oder je größer der Gegner, um so mehr der kleinen Helferlein müssen beim Schleppen mit anpacken. Nämlich mindestens so viele, wie auf der Pille steht. Dafür bekommt ihr aber auch mehr Sprösslinge.

Von Blättern, Knospen und Blumen
In drei "Ausbaustufen" begegnen euch die Pikmins. Sind sie nur einige wenige Augenblicke nach der Geburt im Boden unter einer Zwiebel, weisen sie ein grünes Blatt als Haarpracht auf. Diese Abart eurer treuen Begleiter ist nicht besonders fix auf den Beinen und nicht sonderlich stark. Schon besser als die Blatt-Pikmins sind die Knospen-Pikmins, die an Schnelligkeit und Kraft nur noch von den Blumen-Pikmins getoppt werden. Ihr erhaltet die fortgeschritteneren kleinen Kerle, indem ihr sie länger im Boden gedeihen läßt bevor ihr sie für einen Einsatz pflückt oder indem ihr Nektar findet. Diese stärkende Flüssigkeit ist an verschiedenen Stellen verborgen und wirkt auf die Pikmins wie Spinat auf Popeye.

Nun habt ihr willige Hilfskräfte an der Hand um euch auf die Suche nach den dreißig fehlenden Teilen von Olimars Raumschiff zu machen. Das Dreißig-Tage-Limit steckt euch dabei im Nacken - schließlich vergeht ein Tag in realer Spielzeit in nur gut fünfzehn bis zwanzig Minuten. Das Vorgehen an jedem Tag will also gut überlegt sein um an die für Olimar lebenswichtigen Raumer-Ausrüstung zu kommen. Dabei setzt ihr eure Pikmins nicht nur als kleine Soldaten ein, sondern auch als Bauarbeiter, indem ihr Brücken errichtet, Pappschachteln verschiebt oder Tore aus Stein oder Pflanzen einreißt.

Nicht mehr als 100
Allerdings ist euch mit maximal 100 Pikmins, die ihr gleichzeitig durch die insgesamt fünf Einsatzgebiete steuert, eine Obergrenze vorgegeben. Keine Angst, habt ihr erst einmal 100 im Feld, geht die Zucht trotzdem weiter. Die Zwiebeln setzen lediglich keine Samen mehr frei, sondern belassen die Pikmins einfach innerhalb der Zwiebel. So habt ihr schon nach wenigen Tagen ein Vielfaches der 100 Maximum an kleinen Verbündeten gezüchtet. Ihr könnt jederzeit manuell Pikmins in den Zwiebeln unterbringen um sie für einen späteren Einsatz zu schonen oder um andersfarbige zum Einsatz zu bringen.

Die Steuerung ist einfach erlernt. Olimar dirigiert ihr mit dem analogen Stick. Dabei bewegt ihr gleichzeitig noch einen Cursor, mit dessen Hilfe ihr den Pikmins in die richtige Position bringt. Ein kurzes Pfeifen mit "B", und der mit dem Cursor erfasste kleine Bundesgenosse folgt euch auf dem Fuße. Ein längeres Pfeifen und alle in weiterem Umkreis schließen sich euch an. Was zu tun ist, erfassen die Kerlchen automatisch. Mit "X" separiert ihr die possierlichen Wesen nach ihrer Farbe wollt ihr zum Beispiel nur rote auf eurer Erkundungstour mitnehmen. Werft ihr mit einem Druck auf "A" einen Pikmin zu einer Blume oder einem Gegner wirft sich der Kleine todesmutig auf das Ziel. An einem Tor, einer potentiellen Brücke oder einer Pille legen sie sofort eigenständig mit der schweißtreibenden Arbeit los.

Einfach zu erlernende Steuerung
Natürlich müßt ihr nicht jeden Pikmin einzeln zu seinem Arbeitsplatz werfen. Wollt ihr ein größere Gruppe auf einmal eine Aufgabe zuweisen, geht mit Olimar Nahe an das Ziel heran und lotst die Pikmins mit dem gelben Analog-Stick zu ihrem Platz. Mit dem C-Stick dirigiert ihr eure kleine Armee um sie nicht nur standardmäßig hinter euch sondern auch mal links oder rechts von euch hertrotten zu lassen. Ebenfalls eine unschätzbare Hilfe um eure Verbündeten wohlbehalten an gefährlichen Stellen oder feindseeligen Kreaturen vorbei zu dirigieren.

Denn davon stellen sich euch eine Menge entgegen. Die meisten sind Olimar an Größe und Kraft weit überlegen und lassen sich nur mit der richtigen Taktik ohne größeres Pikminsterben überwältigen. Alle haben eine Archillesferse, die es zu entdecken und auszunutzen gilt. Einige Schiffsteile werden von besonders fiesen und mächtigen Endgegnern bewacht, die besonders knifflig auszuschalten sind und euch einige Pikmins kosten werden. Fordert sie aber erst zum Showdown, wenn ihr den Weg zurück zu eurem Raumschiff von Gegnern gesäubert habt. Wäre ja noch schöner, wenn eure Helfer schwerbeladen mit einem Raumschiffteil auf dem Rückweg von irgendwelchem Getier aufgefressen würden.

Die Nacht ist der Tod
Insgesam fünf Locations wollen erkundet werden um an alle Raumschiffteile zu gelangen. Allerdings erreicht ihr zu Beginn nur eines der Gebiete. Die anderen dürft ihr erst erforschen, wenn ihr das Raumschiff durch Einbau verschollener Teile weiter ausgebaut habt. Olimar und seine Gefolgschaft werkeln übrigends nur am hellichten Tage. Kurz vor Sonnenuntergang begibt sich der Captain in sein Schiff und fliegt davon ohne allerdings mit seinem angeschlagenen Raumer die Atmosphäre des Planeten verlassen zu können. Dafür folgen ihm die Zwiebeln des Nachts. Viel wichtiger: Alle Pikmins die sich nicht in eurem direkten Gefolge oder in oder an den Zwiebeln befindet überlebt die Nacht in freier Natur nicht.

Bei der Erforschung der Areale läßt euch "Pikmin" große Freiheiten. Da das Zeitlimit wie ein Damokles-Schwert über euch schwebt solltet ihr eure Aufmerksamkeit immer mehreren Aufgaben widmen. Wege von Hindernissen befreien, fieses Getier ausschalten damit ihr zu den Raumschiffteilen vordringen und sie ohne Probleme abtransportieren könnt gilt neben der Pikmin-Zucht eure ganze Aufmerksamkeit. Ebend mal zwei oder drei Tage nur mit der Aufzucht von Pikmins zu verbringen ohne Raumschiff-Teile zu organisieren solltet ihr lieber bleiben lassen. Versucht lieber auszutüfteln, wie ihr an einem Tage gleich mehrere Teile einsacken könnt. Ohne gute Planung läuft in diesem Punkt nämlich nichts, auch wenn euch nach Einbau des Schiffsradars die Lage aller anderen Teile auf einer einblendbaren Karte angezeigt wird.

Olimars Tagebuch
Abgespeichert wird nach Beendigung eines Tages. Dann nimmt sich Olimar Zeit, in seinem Tagebuch seine neuesten Entdeckungen nieder zu schreiben. Lest sie aufmerksam, da wichtige Hinweise für den Umgang mit euren kleinen Helfern enthalten sind. Für euch ergibt sich gleichzeitig die Möglichkeit euer Fortkommen zu speichern. Der 11 Blöcke große Spielstand bietet drei Speicherslots. Solltet ihr mit dem Erreichten nicht zufrieden sein, dürft ihr das Spiel vom alten Speicherstand aus fort setzen. Und glaubt mir, diese Option werdet ihr oft genug nutzen, wenn ihr fleißig herum experimentiert.

Optisch ist Nintendos neuester GameCube Streich ohne Fehl und Tadel. Erwachsene Spieler müssen sich zwar erst einmal an den kindgerechten Knuddelllook der Protagonisten gewöhnen, werden dann aber von detaillierten Locations (wirken wie kleine Gärten) und flüssigem Bildaufbau auch bei 100 geschäftig umherwuselnden Pikmins entschädigt. Die vielfältigen euch feindlich gesonnenen Lebewesen erinnern aufgrund ihres aus wenigen geometrischen Formen modellierten Körperbaus stark an Kinderspielzeug. Von der Musik solltet ihr euch nicht so viel erwarten. Eher belanglose Stücke dudeln da aus den Lautsprechern.

Nach dreißig Tagen bekommt ihr abhängig von den gesammelten Raumschiffteilen einen von drei Abspännen zu Gesicht . Egal, ob ihr nun erfolgreich wart oder ihr Olimar nicht den Weg nach Hause ebnen konntet, bekommt ihr als Zugabe den Challenge-Modus spendiert. Hier heißt es dann möglichst viele Pikmins zu züchten um sich in einer Highscoreliste zu verewigen.

fazit

"Pikmin" ist eine innovative und höchst spannende Echtzeitstrategie-Tüftelei. Ständig seit ihr am experimentieren um möglichst viel an einem Spieltag zu erledigen: Pikmins züchten und aufpäppeln, Raumschiffteile finden und den Weg zu ihnen mit der richtigen Art von Pikmins bahnen, indem ihr Brücken baut, Tore einreißt und feindliches Getier aus dem Weg räumt. Das alles geht dank einfacher Steuerung flott und eingängig von der Hand auch wenn ihr gleichzeitig 100 Pikmins ins Feld führt. Zudem läßt euch "Pikmin" bei der Teile-Suche alle Freiheiten. Einziger kleiner Wermutstropfen ist der recht geringe Umfang des Titels. Das wird sich hoffentlich im bereits angekündigten Nachfolger ändern. (sag)


grafik: 8.0 | sound: 6.0 | gameplay: 9.0 | gesamt: 9.0
Copyright 1996-2007 bei Jochen Rentschler. Alle Rechte vorbehalten.