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Medal of Honor: Frontline

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: EA Los Angeles; Electronic Arts
Genre: Ego-Shooter
System: GameCube, PAL-Version
Besonderheiten: Komplett deutsch, benötigt Speicherkarte (mind. 4 Blöcke); PS2-Portierung
USK (ESRB): nicht geeignet unter 18 Jahren
Spieler: 1 - 4
Testmuster von: eigene Anschaffung

EA's "Medal of Honor"-Reihe steht sowohl auf der PlayStation als auch auf der PlayStation2 für hochkarätige Ego-Shooter Kost. Nach dem überzeugenden "Frontline" Ableger der Serie für die PlayStation2 dürfen sich nun auch GameCube Besitzer als us-amerikanischer Soldat durch die Wirren des ausgehenden zweiten Weltkrieges schlagen.

"Medal of Honor: Frontline" beginnt fulminant: Ihr findet euch als US-Army Leutnant Jimmy Patterson mitten im Inferno des D-Days wieder, der Landung der Allierten in der Normandie. Zwischen explodierenden Granaten und wild um sich schießenden deutschen MG-Nestern müsst ihr eure Feuertaufe bestehen und euch vom Strand durch die Befestigungen des Atlantikwalls arbeiten. Die Eröffnungszene von Steven Spielbergs Kinohit "Der Soldat James Ryan" läßt grüßen. Schon in der ersten Mission zeigt sich, dass "Medal of Honor: Frontline" mehr als reines "Schieß-auf-alles-was-sich-bewegt" bietet. Schließlich wollen bestimmte Aufgaben abgearbeitet werden.

In den Wirren des 2. Weltkrieges
Neben feindlichen deutschen Soldaten tummeln sich auf den Kriegsschauplätzen Zivilisten sowie G.I.'s und andere alliierte Soldaten, die ihr tunlichst nichts ins virtuelle Visier nehmen solltet. Letztere sind willkommene Unterstützung in den zum Teil heftigen Feuergefechten gegen eine Vielzahl an deutschen Soldaten. Neben authentischem Gewehren, Handgranaten, Maschinenpistolen und Faustfeuerwaffen okkupiert ihr bei euren Missionen feindliche Maschinengewehrstellungen und beharkt mit dem MG größere Landseransammlungen. Selbst eine U-Boot Kanone, diverse Kanonen eines Panzerzuges oder ein Nebelwerfer kommen zum Einsatz.

Nicht nur die Namen der verwendeten Waffen sind authentisch. Auch die Eigenschaften der Wummen ähneln den realen Vorbildern. Maschinenpistolen bocken in der Hand eures virtuellen Alter Egos, so dass es euch schwer fällt ein Ziel im Fadenkreuz zu behalten. Dabei streut es die Geschosse ähnlich, wie bei dem ebenfalls im Spiel vorkommenden Schrotladungen einer Schrotflinte. Das Repetieren bei einem Scharfschützengewehr dauert seine Zeit, wie auch das Einlegen frischer Magazine. Nicht selten werden von euch geworfene Handgranaten von Landsern aufgenommen und zurückgeworfen oder mit dem Fuß weggekickt.

Authentische Bewaffnung
Alle eure Missionen sind an reale Ereignisse angelehnt. Nicht nur die Operation Overloard - die Landung der Alliierten in der Normandie - auch das gewagte Luftlandeunternehmen Market Garden muss als Hintergrund für eure Aufträge herhalten. Der Grund für die Infiltration deutscher Stellungen und eure Spezialaufträge hinter feindlichen Linien sind Gerüchte nach einer neuen Geheimwaffe der Nazis. Diese soll angeblich so schlagkräftig sein, dass sie den Ausgang des Krieges zu Ungunsten der Alliierten wenden könnte. Klar, dass das bei den Geheimdiensten die Alarmglocken schrillen und alle Hebel in Bewegung gesetzt werden.

Neben harten Gefechtem mit deutschen Soldaten wollen diverse Aufgaben erfüllt werden um einen Abschnitt erfolgreich hinter euch zu bringen. Rettung von Soldaten, Treffen mit Informanten, Ausschalten bestimmter Einrichtungen mithilfe von Sprengladungen oder das Aufspüren von Dokumenten sind euer Hauptanliegen um in den 19 Level von "Medal of Honor: Frontline" zu bestehen. Insgesamt sechs zusammenhängenden Missionen, jede in zwei bis vier einzelne Level unterteilt, fordern eure ganze Aufmerksamkeit. Ihr beginnt jede Mission mit voller Lebensenergie und mit einem kleinen Grundstock an Bleispritzen. Nur im einfachen Schwierigkeitsgrad geht ihr jeden Abschnitt einer Mission mit maximaler Lebensenergie an.

Auszeichnungen und Medaillen
In "Normal" bekommt ihr ein wenig Regeneration zwischen den Level spendiert. In "Schwer" müsst ihr im nächsten Abschnitt einer Mission mit dem Lebensenergievorrat und der Munition auskommen, mit dem ihr den vorhergehenden beendet habt. Nach Abschluss eines Levels streicht ihr eine kleine Belohnung in Form einer Medaille ein. Habt ihr in allen Teilen einer Mission eine Golden Star Medaille erhalten winken besondere Tapferkeitsauszeichnungen. Seit ihr mit dem Ergebnis eines Levels einmal nicht zufrieden, so dürft ihr ihn jederzeit noch einmal angehen um sie vielleicht mit mehr Lebensenergie und Munition abzuschließen. Dann habt ihr es beim nächsten Abschnitt etwas leichter.

Schließlich sind die deutschen Soldaten keineswegs nur schlichtes Kanonenfutter. Sie werfen sich zu Boden, kommen im Zick-Zack auf euch zu gerannt und nutzen geschickt Deckungen aus um sich dahinter zu verbergen. Im richtigen Augenblick springen sie hervor und ballern aus allen Rohren. Selbst Köche werfen Messer treffsicher auch über größere Entfernungen nach euch. Ab und an kann es allerdings passieren, dass sie an Ecken oder Türen festhängen. Einige Soldaten bleiben in sicherer Deckung und feuern blind um die Ecke oder über ein Hinderniss in eure Richtung. Sie erkennen euer virtuelle Alter Ego sogar hinter gardinenverhangenen Glasscheiben. Höchste Gefahr ist angesagt, wenn ihr mit einem besetzten MG-Nest oder gar einem Panzer konfrontiert seit.

Über Stadt und Land
Bei den Locations ist Abwechslung angesagt. Ihr pirscht euch sowohl durch beschauliche ländliche Gegenden als auch durch Stadtszenarien. Einer der Höhepunkte und zugleich einer der schwersten Abschnitte führt euch in den gnadenlosen Häuserkampf im zerstörten Arnheim Seite an Seite mit britischen Fallschirmjägern. Wenn ihr den Spielfilm "Die Brücke von Arnheim" einmal gesehen habt, wißt ihr, was euch dort erwartet. Allerdings seht ihr der Grafik die PlayStation2 Vergangenheit an unter anderem wegen der oftmals verwaschen wirkenden Texturen und den immer noch vorkommenden Rucklern. Die Bewegungsabläufe der Soldaten dagegen sind beklemmend realistisch eingefangen. Vor allem die Sterbesequenzen haben es trotz fehlendem Blut und schnell verschwindenden Leichen in sich. Da stürzen zum Beispiel getroffene Soldaten die Treppe herunter oder kopfüber von Dächern oder Türmen. Trefft ihr aus nächster Nähe, werden die Leiber nach hinten geworfen. Harter Tobak.

Die Steuerung eures virtuellen G.I.'s funktioniert auf dem GameCube ohne größere Probleme. Mit dem Control-Stick lauft ihr durch die Gegend während ihr mit dem gelben Kamerastick eure Blickrichtung ändert. Standardmäßig ist kein Zielkreuz beim Herumlaufen vorhanden. Es kann in den Optionen aber separat eingeschaltet werden. Ansonsten legt ihr eure Waffe mit dem linken Schulterbutton an um über Kimme und Korn und mit einem dann eingeblendeten Fadenkreuz gezieltere Feuerstöße abzugeben. Größtes Manko ist die Waffenauswahl, da ihr euren Schießprügel nicht direkt anwählen könnt, sondern euer komplettes Waffenarsenal durchschalten müsst um an ein bestimmtes Gewehr oder Pistole zu kommen. In den späteren Missionen dank vieler Waffen sehr umständlich.

Grandiose Musikkulisse
Sound und Musik sind erstklassig. Die orchestralen Musikstücke im Hintergrund passen wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge und entsprechen in ihrer Qualität einem guten Filmsoundtrack. So unterstreichen zum Beispiel die klagenden Töne den aussichtslosen Häuserkampf britischer Fallschirmjäger in Arnheim nahezu perfekt. Auch in den anderen Abschnitten ist die Musik erstklassig. Die Sounduntermalung steht dem in nichts nach. Hier stechen vor allem die Rufe der deutschen Soldaten heraus, die euch zum Beispiel "Tötet den Ami!" oder "Laßt ihn nicht entkommen" entgegenschreien oder lautstark Unterstützung anfordern. Mit dem richtigen Equipment sogar in Dolby Surround.

Im Gegensatz zum PlayStation2 Vorbild wartet "Medal of Honor Frontline" auf dem GameCube mit einem Mehrspielerpart für zwei bis vier Spieler auf. Allerdings gibt es keine zuschaltbaren computergesteuerten Bots. Zudem steht mit Deathmatch (Solo oder in Teams) nur einen einzigen Modus zur Verfügung. Speichern ist nur zwischen den Missionen möglich. Leider gibt es auch keinerlei Rücksetzpunkte innerhalb der Level, so dass ihr einmal gefallen den kompletten Abschnitt wieder von vorne beginnen müsst. Vorsichtiges Vorantasten ist also erste Soldatenpflicht. Da der Schwierigkeitsgrad allgemein recht fordernd ist, gerade für Anfänger eine schwere Bürde. Der Spielstand ist mit vier Blöcken Minimum recht schlank ausgefallen.

fazit

"Medal of Honor: Frontline" ist auch auf dem Gamecube ein Ego-Shooter Hochkaräter. Packende und anspruchsvolle Missionen mit ihren fordernden Feuergefechten fesseln Action-Freunde nicht zuletzt auch wegen der hervorragenden Sound und Musikuntermalung sofort. Allerdings lediglich Solo-Spieler. Der aufgesetzt wirkende Mehrspielerpart fällt dank fehlenden Bots und mit lediglich Deathmatchduellen deutlich ab (sag).


grafik: 8.0 | sound: 9.0 | gameplay: 8.5 | gesamt: 9.0
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