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Evolution Worlds

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Ubi Soft
Genre: Rollenspiel
System: GameCube, PAL-Version
Besonderheiten: benötigt Speicherkarte (mind. 4 Blöcke); kein 60hz; englische Texte/Sprachausgabe
USK (ESRB): Geeignet ab 6 Jahren
Spieler: 1
Testmuster von: Ubi Soft

Rollenspiele sind im Moment ein ganz trauriges Kapitel für den GameCube. Wer sich nicht online an "Phantasy Star Online Episode 1&2" erfreuen möchte hat offline so gut wie keine Auswahl. Da kommt "Evolution Worlds" für ausgehungerte RPG-Fans gerade richtig, oder?

Cover Evolution WorldsEine Fantasywelt: Die ehemals fortschrittliche Zivilisation ist schon lange unter gegangen. Langsam rappelt sich die Menschheit auf und entdeckt längst verloren geglaubte Technik wieder. Wichtigstes Utensil aus der Vergangenheit sind die Cyframes, hoch entwickelte Waffen, mit denen sich ein besonderer Schlag von Menschen in monsterverseuchten Ruinen auf die Suche nach Artefakten aus der Vergangenheit machen. Ihr steuert einen solchen Abenteurer: Mag Launcher.

Ruhmreiche Launcher Familie
Der ist zu Beginn noch ein grüner Junge, der außer mit seinem Cyframe und einer geheimnisvollen Freundin Namens Linear nicht aus der Masse heraus stechen würde, wäre da nicht sein Name: Launcher. Der steht für eine lange ruhmreiche Ahnenreihe von Abenteurern. Jetzt ist Mag der einzige Überlebende der Familie, nachdem seine Eltern auf mysteriöse Weise vor drei Jahren verschwanden. Zu diesem Zeitpunkt trat Linear in des Jungen Leben, als sie mit einem Brief von seinem Vater vor dem Haus der Launchers auftauchte, in dem ihm aufgetragen wurde das schweigsame Mädchen zu beschützen. Koste es was es wolle.

Doch so einfach kommt ihr nicht in die Ruinen rein um nach wertvollen Artefakten zu suchen. Ein Forschungsinstitut, die Gesellschaft, organisiert die Trips in die Dungeons. Zufällig hat diese Organisation ein Büro in Mags Heimatstadt Pannam Town. Die Gesellschaft hat sich auf die Fahnen geschrieben die alte hochtechnisierte Kultur zu studieren. Nur wer hier akkreditiert ist, darf sich auf die Suche machen. Ein Launcher wird natürlich gerne in der Gesellschaft gesehen und bekommt auch prompt einen Auftrag zugewiesen. Eure erste Bewährungsprobe!

Zufallsgenerierte Dungeons
Bevor es zum ersten Dungeon geht, erforscht ihr noch eure Heimatstadt um eventuell in einem Laden noch ein wenig Ausrüstung zu kaufen oder einen Freiwilligen in eure maximal drei Personen große Party aufzunehmen. Schließlich ist neben Linear noch ein Platz frei. Drei Personen bieten sich zunächst an. Gre, der getreue Butler der Familie Launcher, die kleine Angeberin Chain aus einer rivalisierenden Abenteurersippe und die lebhafte und kampfkräftige Pepper. Habt ihr euch für einen Partner entschieden geht es ab zum kleinen Flugboot der Launchers, das euch automatisch in den Dungeon fliegt. Später stehen euch noch ein anderes Fortbewegungsmittel zur Verfügung mit denen ihr die Orte des Geschehens ansteuert.

Evolution Worlds GameCube

Die meisten Dungeons sind zufallsgeneriert und sehen dementsprechend aus. Will heißen, sie sind aus wenigen Standardbauteilen zusammengewürfelte Labyrinthe mit langen gleichförmigen Gängen, die einige wenige Räume miteinander verbinden. Die Dungeons selbst sind insgesamt wie Türme aufgebaut. Ihr arbeitet euch vom untersten Stockwerk über Treppen nach oben vor (einmal einen Stock höher gibt es kein zurück!). Dabei machen euch nicht nur eine Menge Monster sondern zusätzlich fiese Fallen das Leben schwer. Der fleißige Wanderer spürt Schatzkisten oder Geheimräume auf, die neben 08/15 Items ab und an nützliche Ausrüstungsgegenstände oder wertvolle Artefakte beherbergen. Im Gegensatz zur "Final Fantasy" Reihe gibt es keine Zufallskämpfe. Ihr seht in den 3D Dungeons eure Feinde durch die Gegend laufen. Kommt es zum unweigerlichen Zusammenstoß zwischen eurem Trupp und den Monstern wird zum rundenbasierten Schamützel umgeschaltet.

Rundenbasierte Kämpfe
Hier ist taktisches Geschick gefordert. Das fängt schon damit an den genauen Standort der Kämpfer in dem rundenweisen Scharmützel zu bestimmen. Laßt ihr sie in vorderster Front antreten teilen sie am kräftigsten aus und können schneller ein weiteres mal agieren. Die Schattenseite: Der Schaden bei einem gegnerischen Angriff ist größer. Damit sie weniger Schaden nehmen platziert sie in der hinteren Reihe. Das hat aber wiederum den Nachteil, dass sie selbst geringeren Schaden anrichten und viel länger zum nächsten Angriffszug brauchen. Wie immer liegt die goldenen Mitte in der mittleren Position der Angriffsreihe.

Evolution Worlds GameCube

Neben einem normalen Angriff mit der geschulterten Waffe verfügt jeder Charakter über bestimmte Skills. Bei Mag und anderen Cyframe Besitzern sind das von der Ausstattung seines Cyframes abhängige Spezialattacken. Bei seinen Freunden mit normalen Angriffswaffen, wie Linears Bratpfanne oder Gres Schrotflinte, können das mächtige Angriffsvarianten oder statusverändernde sowie heilende Extras sein. Reine Zaubersprüche wie in anderen Rollenspielen gibt es in "Evolution Worlds" nicht. Die Anwendung von Skills kostet ähnlich dem Mana bei Zaubersprüchen anderer RPGs Kampfpunkte. Stockt verbrauchte Kampfpunkte beim Verschnabulieren bestimmter Items oder durch normale Angriffe wieder auf. Welche Skills zur Verfügung stehen hängt von der Erfahrung eurer Recken ab.

Welchen Skill hättens denn gern?
Nach jedem Kampf streichen sie neben Erfahrungspunkten Tactical Points ein, die ihr für das Erlernen neuer Skills einsetzt. Meist habt ihr die Qual der Wahl, da gleich mehrere Skills in unterschiedlichen Kategorien auf ihr Erlernen warten. Mag ist mit seinem Cyframe ein Spezialfall. Er kann seine Waffe mit unterschiedlichen Cyframe Teilen ausstatten, die verschiedene Skills zur Verfügung stellen. Um noch mehr dieser nützlichen Teile einzubauen, benötigt ihr Upgrades, die noch mehr Slots für den Einbau bereit stellen. Dumm nur, dass ihr sie nicht käullich erwerben könnt, sondern nur in den Dungeons findet. Lediglich der Einbau der neuen Slots in ein Cyframe kostet Geld sowie das Aufleveln der einzelnen Cyframe Teile. Dies gilt übrigends nicht nur für Mag sondern auch für alle anderen Cyframe-Nutzer wie Chain und Pepper.

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Und noch eine kleine Spezialfähigkeit, über die eure Mannen gebieten: Besondere Talente. Diese sind an keine irgendwie gearteten Punkte gebunden, können aber nur relativ selten eingesetzt werden, da sie nach einem Einsatz erst mehrere Kämpfe später wieder anwählbar sind. Mag lässt sich zum Beispiel von Chains hochtrabenden Sprüchen provozieren für einen höheren Angriffswert oder von Pepper umgarnen für das Ersetzen verloren gegangener Hitpoints. Linear versucht Gegner zur Aufgabe zu überreden. Gre konzentriert sich und erhöht dadurch für den aktuellen Kampf den Wert für seine maximalen Hitpoints. Benutzt die Talente fleißig, damit später stärkere dazu kommen.

Häßliche Optik
So wenig prickelnd wie die Zufallsdungeons sind auch die normalen Gegner. Meist tummeln sich in den etwas überlangen Dungeons nur eine Hand voll verschiedener Gegner - der Dungeonboss am Ende mal ausgenommen. Meist sind diese Standardgegner lediglich in einer anderen Farbe vorhanden oder aber in einem höheren Erfahrungslevel. Versucht sie möglichst von hinten zu erwischen, damit eure Helden erst mal komplett auf die Monster draufhauen dürfen, bevor die sich zum ersten Mal regen können. Wann die gebeitligten Kämpfer am Zug sind zeigt euch eine Einblendung am rechten Bildschirmrand. Sie gibt ebenfalls darüber Auskunft, wenn ein Protagonist angeschlagen ist. Eine während eures Forschungstrips eingeblendete Karte hilft euch die Monstertrupps besser hinterrücks abzufangen.

Insgesamt dürft ihr von "Evolution Worlds" keine Überfliegergrafik erwarten. Ganz im Gegenteil. Sahen die beiden Dreamcast "Evolutions" schon nicht besonders aus, so fällt die Optik auf dem technisch leistungsfähigeren GameCube noch mehr ab. Grobe Texturen, Spielfiguren als grobe Polygonklötze, Locations die mit ihrem groben Aufbau und fehlenden Details lieblos wirken und wenig ansehnliche FMV Zwischensequenzen wirken allesamt veraltet. Die stellenweise witzigen englischen Sprecher können das Ganze dann auch nicht mehr retten. Neben auf lange Sicht nervtötende Musikberieselung im Hintergrund bietet euch "Evolution Worlds" Sprachausgabe, die wie auch die ganzen Texte in englischer Sprach gehalten sind.

Genügsamer Speicherplatzverbrauch
Das Speichern ist nur an bestimmten Stellen möglich. Innerhalb der Zufallsdungeons nur vor dem Endgegnerkampf und wenn ihr eine Etage höher steigt. Bei letzterem entsteht ein temporärer Spielstand, der beim nächsten Laden automatisch gelöscht wird. Ansonsten ist "Evolution Worlds" mit nur vier Blöcken auf der Memory Card eine genügsamer Vertreter. In den Speicherstand passen neben dem temporären Dungeonspielstand fünf normale Spielstände. Problem: Zwar dürft ihr meist unmittelbar vor einem fetten Bossgegner speichern. Danach aber passiert es, dass ihr durchaus ein Viertelstündchen oder länger Zwischensequenzen in Spielegrafik oder FMV's durchlaufen müßt, bevor ihr wieder eine Möglchkeit zum Speichern habt.

fazit

Obwohl die grafische Präsentation auf ganzer Linie enttäuscht macht "Evolution Worlds" spielerisch durchaus etwas her. Das Aufleveln der Skills, die etwas langatmige Suche nach seltenen Artefakten und neuer Ausrüstung (vor allem Cyframe Teile) und die herausfordernden Bossgegnerkämpfe unterhalten durchaus. Letztlich aber bietet "Evolution Worlds" lediglich 08/15 Rollenspielkost, die zudem noch häßlich verpackt ist. Ausgehungert Rollenspielfans sollten einmal Probe spielen. Alle anderen warten lieber auf "Summoner: The Godess Reborn" oder auf "Skies of Arcadia Legends", die mehr Spielspaß versprechen (sag).


grafik: 5.0 | sound: 5.5 | gameplay: 6.0 | gesamt: 6.0
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